Materialien

für das Seminarfach - Sekundarstufe II

Seminarfach

Beispiel Seminararbeit:
Die V-Effekte in Bertolt Brechts 'Mutter Courage und ihre Kinder'

Zeitgenössiche Darstellung Dreißigjähriger Krieg

Eine zeitgenössische Darstellung aus dem Dreißigjährigem Krieg (Mattthäus Merian der Ältere)

Inhaltsverzeichnis

1. Definition Verfremdung
2. V-Effekte
2.1. Im Text  "Mutter Courage und ihre Kinder" benutzte V-Effekte
2.1.1. Lieder und Songs
2.1.2. Historisierung
2.1.3. Gestische Sprache
2.1.4. Titel- und Inhaltsangabenprojektion
2.1.5. Wenden zum Publikum
2.1.6. Durch zwei simultan ablaufende Vorgänge
2.1.7. Führung der Fabel
2.1.8. Fixieren des Nicht - Sondern
2.2. V-Effekte, die ihren Ursprung in Schauspieler - Übungen haben
2.2.1 Zitieren, Referieren
2.2.2. Überführung in die 3. Person
2.2.3. Überführung in die Vergangenheit
2.2.4. Mitsprechen von Schauspielanweisungen und Kommentaren
2.3. V-Effekte in Inszenierungen
2.3.1. Arrangement
2.3.2. Besetzung
2.3.3. Realistische Details
2.3.4. Reaktion der Mitspieler
2.3.5. Gegen den Text gerichtete Handlungen
2.3.6. Bühnenbild, Vorhang, Requisite
2.3.7. Verwendung von Masken
Literaturverzeichnis


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1. Definition Verfremdung

Normales Theater suggeriert dem Zuschauer Unerschütterlichkeit der Welt. Sie sieht genauso aus, wie sie tagtäglich gesehen wird. Da stellt sich gar nicht die Frage, wie sie denn anders sein sollte.
Durch verfremdetes Theater sollen Denkanstöße gegeben werden. Verfremdung ist der bewusste Verzicht auf Schaffung einer Illusion der Wirklichkeit mit Hilfe der Kunst.
Realisiert wird dies in drei Bereichen: beim Schrei­ben, beim Inszenieren und beim Darstellen.
Verfremdung, wie sie in „Mutter Courage und ihre Kin­der“ und anderen Stücken Brechts angestrebt wird, dient dazu, Distanz zwischen Zuschauer und Bühne her­zustellen. Es wird deutlich gemacht, dass das auf der Bühne gezeigte etwas Künstliches, von Schauspielern Dargestelltes ist und dass die Menschen auf der Bühne nicht identisch sind mit den von ihnen verkörperten Kunstfiguren.
Außerdem handelt es sich um eine verfremdete Abbildung eines Sachverhalts, der zwar zu erkennen ist, aber zugleich fremd erscheint. Das einfache Erleben und Mitgehen im Stück soll durch die Verfremdung unmöglich gemacht und das Bewusstsein provoziert werden.
Dieses soll schließlich dazu führen, dass der Zuschau­er Einsicht in eine ihm als selbstverständlich und unver­änderbar erscheinende Sache erhält und die Verfremdung dient dazu, seine Wahrnehmung dieser Sache zu schärfen.

Brechts Definition:
„Einen Vorgang oder einen Charakter verfremden heißt zunächst einfach, dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Bekannte, Einleuchtende zu neh­men und über ihn Staunen und Neugierde zu erzeugen. [...]

Verfremden heißt also Historisieren, heißt Vorgänge und Personen als historisch, also als vergänglich darzustellen. Dasselbe kann natürlich auch mit Zeitge­nossen geschehen, auch ihre Haltungen können als zeitgebunden, historisch, vergänglich darge­stellt werden.“ (Brecht: Über experimentelles Theater, 1939)

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2. V-Effekte

2.1. Im Text  "Mutter Courage und ihre Kinder" benutz­te V-Effekte

2.1.1. Lieder und Songs

Die Songs in Mutter Courage und ihre Kinder werden nicht so benutzt wie in anderen (nicht- Brechtschen) Stücken. Sie sind nicht direkt in den Handlungsablauf eingebunden, wie z.B. ein Gesang in einer Kneipensze­ne.
Bei Brecht sind die Lieder Einlagen, die die Ein­heit des Dramas gefährden. Lyrik und Dramatik ver­schmelzen nicht, um ein einheitliches Erleben zu er­möglichen, also als Steigerung kathartischer Wirkung, sie stellen vielmehr alle den gleichen Vorgang selb­ständig dar und bewirken einen vielfältigen Blick auf die dargestell­ten Vorgänge. In der Architektur des Stückes sind Text und Lieder deutlich voneinander abgesetzt.
Zum Beispiel „Das Lied von der Großen Kapitulation“ in der 4. Szene hat seine Motivation, Wirkung und Adressaten im Handlungszusammenhang. Es erläutert die Empfehlungen der Courage und hilft den Rebellen umstimmen. Hier wird die Schlechtigkeit der Courage illustriert, sie gibt einen schlechten Rat (nämlich die Kapitulation eines jungen Menschen vor den Oberen). Allerdings ist im Text des Liedes mehr als die tatsächliche Wirkung im Szenenverlauf zugibt. Die Kapitulation ist das Gegenteil der Sozialisation: Das Lied bringt Fragen zum Verhältnis des Einzelnen und der Gesellschaft ins Spiel, die in der Szene selbst gar nicht zur Diskussion stehen. Er deckt Widersprü­che auf, für die es keine so eindeutigen Antworten gibt wie den Rat der Courage und seine Befolgung.
Die Kapitulation erscheint hier sowohl als eine Beugung des Einzelnen durch die Gesellschaft als auch wie eine fällige Korrektur individueller Ansprüche auf Vorzugsrechte.
 
Die Lieder sind ein wichtiger Teil dessen, was verfremdetes Theater ausmacht. Sie setzen den mündigen Bürger und eine veränderte Rezeptionshaltung beim Zuschauer voraus. Sie sind also keine Entspannungspausen, sondern Einlagen, aus denen Erkenntnisse ge­wonnen werden können.
Im „Lied vom Fraternisieren“ (3. Szene) vermeidet die Erzähltech­nik die direkte Moral, obwohl sie scheinbar moralisie­renden Zielen dient. Yvettes Worte beziehen sich auf Kattrin: „Grad soll sies hören, damit sie abgehärtet wird gegen die Liebe.“. Nach dem Vortrag des Songs zieht die Courage eine Moral für ihre Tochter: „Laß dirs also zur Lehre dienen, Kattrin. Nie fang mir was an mit Soldatenvolk.“.
Doch es ist vor allem ein Gedicht über verratene Lie­be. Die moralisierende Funktion ist sekundär und ent­geht fast der Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Die Lieder haben auch handlungsdurchbrechende Funktion. Sie heben den dramatischen Ablauf auf und wenden sich an den Zuschauer.

Das Lied resümiert die vorangegangene Handlung, kommentiert oder reflektiert sie. Es ist nicht dazu da, Stimmung zu verbreiten. Es zeigt vielmehr eine andere Haltung und ein anderes Verhalten, dass das dramatische Geschehen kommentiert und damit konkurriert. Die Lie­der stellen in Frage, was die Handlung wie selbst­ver­ständlich und notwendig vorführt.

So besitzt das Courage-Lied in der ersten Szene informierenden und lyrischen Charakter. Es wird aus dem Dialog abgeleitet und erläutert die dramatische Ebe­ne. Der Song erklärt, um was für Geschäftsleute es sich handelt. Der Refrain ist eine lyrische Heroisie­rung des Berufs. Das was der Zuschauer verdammen soll, wird mit frappierenden Merkmalen versehen - einmal er­scheint es als schön, ein anderes Mal als abstoßend. So wird der Song zur Grundlage für die Polarisation der Gefühle zwischen den beiden Polen der moralischen und der ideellen Wertung. Er provo­ziert eine Ambiva­lenz der Überzeugungen und Emotio­nen, die Einverständ­nis und Widerspruch in sich birgt.

Das Lied kann die Diskrepanz von Handeln und Denken, von Fühlen und Einsicht verdeutlichen.
„Das Lied vom Weib und dem Soldaten" wird in der zweiten Szene zum Mittel, die Situation zu entscheiden - Mutter und Sohn erkennen sich wieder. Vor allem aber bringt es ein moralisches Urteil zum Ausdruck. Der Krieg wird verurteilt:
Er verging wie der Rauch, und die Wärme ging auch
Denn es wärmten sie nicht seine Taten.
Der Text ist eine Apotheose auf den Soldatenstand und eine Warnung vor seinen Gefahren:
Doch der Soldat mit der Kugel im Lauf...
Und das Messer fängt er mit der Hand auf!...
Und der Soldat mit dem Messer am Gurt...
Doch der Soldat trieb hinab mit dem Eis...
Dieser Text soll Einsicht in die tödlichen Gesetze des Krieges verleihen. Und obwohl Mutter Courage und ihre Kinder alle von der Tödlichkeit des Krieges wissen, lernen sie nichts daraus.(Szene eins: Mutter Courage:
„Eilif, Schweizerkas und Kattrin, so möchten wir alle zerissen werden, wenn wir uns in'n Krieg zu tief ein­lassen täten."

In Aufführungen wird die verfremdende Wirkung der Songs zusätzlich realisiert durch andere Beleuchtung beim Liedvortrag und eine andere, künstliche Sänger­haltung der Schauspieler, was auf Einlagen verweist, die nicht direkt aus dem Text heraus entstehen.
Außerdem wird der Musikeinsatz deutlich gezeigt. Das Orchester befindet sich, wenn möglich, sichtbar auf der Bühne. Einen verfremdeten Klang erzeugt ein Kla­vier, dessen Hämmer mit Reißnägeln besetzt sind.

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2.1.2. Historisierung

In Mutter Courage und ihre Kinder werden aktuelle Probleme angesprochen, z.B. der drohende 2. Weltkrieg zur Zeit der Entstehung des Stückes, aller­dings spielt die Handlung in einem anderen Jahrhun­dert, mit anderen Voraussetzungen. Es wird ein Gesellschaftssystem vom Standpunkt eines anderen aus betrachtet.
Trotzdem ist die Situation im Stück durch den Zuschau­er auf die aktuelle Situation übertragbar. Nicht Zustände sondern Prozesse werden gezeigt. Der Zuschauer kann die Schlussfolgerung ziehen, dass die Geschichte sich ge­ändert hat und die momentane Situation änderbar ist.

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2.1.3. Gestische Sprache

Mit der gestischen Sprache wird versucht, Inneres auszudrücken und den Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Handlung zu zeigen.

So sagt z.B. die Courage in der 8.Szene: "Sagen Sie mir nicht, dass Friede ausgebrochen ist“. Hier wird verdeutlicht, dass das ursprüngliche "Krieg ausbrechen“ mit einem unver­änder­baren Naturereignis, z.B. einem Vulkanausbruch, gleichgesetzt wird. Im gegebenen Kontext ist dieser Ausdruck unangebracht. Durch die Hineinstellung in eine fremde sprachliche Umgebung erkennt der Zuschauer das gesellschaftliche und psychologische Wesen der Courage. Für sie ist der Friede die Katastrophe, weil sie vom Krieg lebt.
Ähnlich arbeitet der Lobgesang auf die Bestechlichkeit. Dort wird tadelnd von Tugenden gesprochen. Die veränderte Sprache deckt jedesmal eine unnormale Erscheinung im Bereich der gesellschaftlichen oder zwischenmenschlichen Beziehungen auf. Sie zeigt die Widersprüche der Vorgänge und Personen: ihrer Ansich­ten, Haltungen und Entwicklungen.
Da der Zuschauer das in diesen Aussagen nicht vorhan­dene Gleichgewicht wiederherstellen möchte, werden ihm die Missverhältnisse bewusst.

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2.1.4. Titel- und Inhaltsangabenprojektion

Titel und Inhaltsangaben werden durch Projektionen den Zuschauern sichtbar gemacht. Dadurch werden zum einen Ereignisse, die außerhalb der Bühnenhandlung liegen, kurz erwähnt, zum anderen wird die Spannung auf den Inhalt genommen und das Interesse auf die Frage, wie diese Dinge geschehen, gelenkt. Darüberhinaus sollen sie das Verständnis des Publikums für die Vorgänge erleichtern.

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2.1.5. Wenden zum Publikum

Mit Hilfe der direkten Adressen an das Publikum soll die Gefahr der Einfühlung gebannt werden. Es handelt sich nicht länger um eine Suggestion von Wirklich­keit, sondern wird durch das Heraustreten der Schauspieler aus der Rolle zur Beurteilung an das bewusst sehende Publikum übergeben. Z.B. in den Songs werden bestimmte Erläuterungen direkt an den Zuschauer gerichtet.

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2.1.6. Durch zwei simultan ablaufende Vorgänge

Verfremdung kann durch Gegenüberstellung zweier einander widersprechender Vorgänge, die simultan ablaufen, hervorgerufen werden.

So geschieht es zum Beispiel in der 10. Szene. Mutter Courage und Kattrin stehen mit ihrem heruntergekomme­nen, vom Krieg stark mitgenommenen Planwagen frierend auf der Landstraße, während in einem Bauernhaus das „Lied von der Bleibe“ gesungen wird.
Ähnlich ist die Situation, als Kattrin die Trommel auf das Dach des Bauernhauses schleppt und dadurch aktiv handelt, während die Bauersleute passiv auf ein Wunder hoffen und betend im Vordergrund knien.

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2.1.7. Führung der Fabel

Auch bereits durch die Führung der Fabel wird die Unnatürlichkeit der dargestellten Handlung ersicht­lich. Im Stück können die Personen nur überleben, wenn sie im Krieg Handel treiben, zugleich bedeutet dieses leben vom Krieg den Tod durch den Krieg für die Kinder.
Diese Fabel wird im Salomonsong in der 9. Szene besonders wiedergespiegelt. In dieser Bettelszene wird von Heldenmut und Tugenden geredet. Der Song wirkt äußerst zwiespältig. Es werden fragwürdige Einwände in Form von Beispielen gegen die Tugenden vorgebracht. Doch die durch die Handlungen bereits bestätigte Äußerung des Kochs, dass nicht die Tugenden, wohl aber die Schlechtigkeiten sich auszahlen, ist schwer widerlegbar. Der Zuschauer sieht sich ständig in die Rolle eines kritisch argumentierenden Gegenspielers gedrängt. Das Stück will die Ausweglosigkeit der kleinen Leute innerhalb der herrschenden Ordnung, die ihnen Nächstenliebe und Einhaltung der Gebote vor­schreibt, zeigen. Es ist unvernünftig, sich menschlich zu verhalten. Die Courage entscheidet sich aber später für Tochter und Wagen: zuviel ist bereits geopfert worden, es musste ja einen Sinn haben.
Diese Einstellung zeigt sich auch, wenn die Courage, nachdem sie alle Kinder verloren hat, allein weiter­zieht und noch einmal das Courage-Lied singt. Hier demonstriert sie, dass sie nichts gelernt hat.

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2.1.8. Fixieren des Nicht - Sondern

Im Hinblick auf vergangenes (dargestelltes) Geschehen soll es deutlich machen, dass das, was einmal wirklich gewesen ist, es nicht (mehr) ist, vielmehr durch neue Wirklichkeit ersetzt worden ist.
Im Hinblick auf gegenwärtiges Geschehen soll es einmal seine Widersprüchlichkeit verdeutlichen und zeigen, dass die Entscheidung für eine bestimmte Handlung zugleich eine Entscheidung gegen andere mögliche Handlungen ist. Die Dinge werden gezeigt als nicht notwendig, sondern mit möglichen Auswegen und Alternativen.

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2.2. V-Effekte, die ihren Ursprung in Schauspieler - Übungen haben

2.2.1 Zitieren, Referieren

Zitieren: Die Schauspieler sind nicht in die darzustellenden Personen verwandelt, sie zitieren vielmehr den auswendig gelernten Text. So kann der Schauspie­ler Stellung zu der Figur nehmen.
Referieren: Das Referieren ist eine inhaltliche Variante des Zitierens. Es unterbricht die Handlung und zitiert das, was die Handlung bereits gezeigt hat. Dabei nimmt der Schauspieler die Haltung eines Erzäh­lers an. Dadurch kann der Zuschauer den Überblick behalten und wird zu reflektierenden Betrachtungen angehalten.

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2.2.2. Überführung in die 3. Person

Diese ursprüngliche Übung für Schauspieler diente dazu, dass dieser eine Haltung zur darzustellenden Figur entwickelt. Indem er alles, was die Figur in der „Ich-Form“ sagt, in die „Er-Form“ überführt, distan­ziert er sich von der Figur, rückt sie von sich ab und verhindert die vollkommene Verwandlung.

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2.2.3. Überführung in die Vergangenheit

Auch dies diente zunächst dazu, die Distanz der Schauspieler zur Figur zu vergrößern. Indem die gegenwärtige Handlung als vergangene Handlung aufgefasst wird, wird deutlich, dass sie vergänglich und veränderbar ist.

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2.2.4. Mitsprechen von Schauspielanweisungen und Kommentaren

Dieses Mittel der Verfremdung drängt den ehemaligen Vorrang des Worts weiter zurück. Nicht, was die Personen sagen, sondern was sie denken und wie sie handeln steht im Vordergrund.

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2.3. V-Effekte in Inszenierungen

2.3.1. Arrangement

Das Arrangement soll den Sinn und die Widersprüchlichkeit der Vorgänge aufdecken. Gruppierungen machen Aussagen über die Haltung des Theaters zur Welt, sie berichten über menschliches Verhalten. Sie zeigen, ob die Interessen der Figuren sich widersprechen oder ob sie übereinstimmen. Dies wird im Arrangement durch ihr Auseinander- oder Zueinandergehen ausgesagt.
Z. B. muss Mutter Courage auf den Feldwebel zutreten, um mit ihm in den Handel um die Gürtelschnalle zu kommen. Dabei muss sie aber zugleich weggehen von ihrem Sohn, den sie dadurch verliert.
Ein Umschlag in der Handlung oder ein Drehpunkt der Handlung erfordern häufig Stellungswechsel.

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2.3.2. Besetzung

Verfremdende Wirkung kann auch durch die Wahl der Besetzung erzeugt werden, so etwa, wenn die alte, vom Leben bzw. Krieg mitgenommene Bäurin von einer jungen Schauspielerin dargestellt wird. Genauso wäre es möglich, eine weibliche Figur durch einen männlichen Schauspieler darstellen zu lassen oder umgekehrt.

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2.3.3. Realistische Details

Nicht nur anders/ verfremdet dargestellte Vorgänge, sondern auch äußerst realistisch gezeigte Handlungen können verfremdetes Theater ausmachen.
Diese realistischen Details sind vielleicht Arbeitsvorgänge, die genau ausgeführt werden müssen oder schauspielerische Details.
Kattrin steckt, bevor sie die Leiter auf das Dach des Bauernhauses zum Trommeln hochsteigt, ihren Rock erst fest oder die Courage beißt erst auf die Münze, um sie auf ihre Echtheit zu prüfen.

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2.3.4. Reaktion der Mitspieler

Durch die Reaktion der Mitspieler kann der von einer Person gerade dargestellte Vorgang kommentiert oder sogar widerlegt werden.
Als die Courage den Wutanfall des Soldaten hört, der sein Trinkgeld fordert, sieht sie skeptisch zu. Dadurch vermindert sie die Überzeugungskraft des lautstarken Auftritts und macht die Wut als kurz sichtbar.

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2.3.5. Gegen den Text gerichtete Handlungen

Während die Courage sagt „Der Krieg soll verflucht sein“ prüft sie die Waren, bei deren Einkauf Kattrin verwundet wurde und mit denen sie weiter im Krieg Geschäfte machen will. Hier illustriert die Handlung die Kurzlebigkeit der Einsicht der Mutter Courage. Das, was sie hier sagt, wird durch ihre Handlung schon wieder qualifiziert.

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2.3.6. Bühnenbild, Vorhang, Requisite

Das Bühnenbild, wie es am idealsten ist für Mutter Courage und ihre Kinder, ist äußerst sparsam und enthält nur das Notwendigste. Ein Minimum an Dekora­tion und Requisite ist vorhanden.
Ein nur halbhoher Vorhang zeigt die wenigen Umbau­arbeiten während des Stückes.
So wird dem Zuschauer noch einmal deutlich gemacht, dass er ein Theaterstück sieht und dass ihm keine Illusion vorgegaukelt werden soll.
Darüberhinaus wird nicht nur, wie bereits erwähnt, der Musikeinsatz deutlich gezeigt, sondern auch Technik, wie z. B. offen angebrachte Scheinwerfer.

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2.3.7. Verwendung von Masken

Durch die Verwendung von Masken kann demonstriert werden, dass es sich zum einen Schauspieler in Rollen handelt, zum anderen weisen sie auf die starre Unbeweglichkeit des Denkens der Figuren hin.

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Literaturverzeischnis

Primärliteratur:
Bertolt Brecht Werke: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe; Herausgegeben von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus Detlef Müller; Band 6; 11989 Aufbau Verlag Berlin und Weimar

 Sekundärliteratur:
Brechts Dramen Neue Interpretationen, Hrsg. von Walter Hin­de­rer. Stuttgart Reclam, 1989
Fradkin, Ilja: Bertolt Brecht Weg und Methode. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig; 1974
Joost,  Jörg- Wilhelm: Bertolt Brecht: Epoche - Werk - Wir­kung; von Jörg - Joost Joost, Wilhelm, Klaus - Detlef Müller und Mi­chael Voges; Hrsg.: Klaus - Detlef Müller, München: Beck, 1985
Knopf, Jan, Brecht Handbuch; Stuttgart: Metzler, 1980
Rülicke-Weiler, Käthe: Die Dramaturgie Brechts. Theater als Mittel der Veränderung; Henschel Verlag Kunst und Gesellschaft. Berlin, 1966
Schumacher, Ernst: Brecht, Theater und Gesellschaft im 20. Jahrhundert; Berlin: Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, 31973

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