Rhetorische Mittel - Stilmittel
Das ist der Hund meines Nachbarn. - - - - - Das ist der Köter meines Nachbarn.
Zwei mal der selbe Satz, oder? Zumindest der Inhalt ist identisch: Mein Nachbar hat einen vierbeinigen Mitbewohner. Und trotzdem ein großer Unterschied...
Gedichte, Reden, Prosatexte, dramatische Texte, Werbung und noch viele andere Texte haben eines gemeinsam: In ihnen werden rhetorische Mittel verwendet, um bestimmte Wirkungen beim Rezipienten (Leser, Zuschauer, Zuhörer) zu erzielen. Das Wissen um diese Stilmittel ist wichtig, damit man erkennen kann, auf welche Art und Weise der Verfasser eines Textes versucht, andere zu beeinflussen. Diese beabsichtigte Wirkung kann positiv sein (damit ein Gedicht gut gefällt), sie kann aber auch negativ sein (wenn ein politischer Redner die Zuhörer manipuliert). Deshalb sollte man bei der Betrachtung eines Textes nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Sprache achten.
Rhetorische Figur |
Definition |
Beispiel |
Erläuterung des Beispiels |
Alliteration |
gleichlautender Anlaut benachbarten Wörter |
Doch frisch und fröhlich war mein Mut: |
zwei Wörter, die mit „f“ beginnen (die Wörter dürfen auch durch – nicht zu viele – andere voneinander getrennt sein) |
Anapher |
Wiederholung ganzer Wörter (Wortbestandteile) am Vers- oder Strophenanfang |
Und sahst mir nach mit nassem Blick: |
Wiederholung des „Und“ am Versanfang |
Antithese |
Zusammenstellung entgegengesetzter Begriffe |
In deinen Küssen welche Wonne! |
Gegensatz von Positivem und Negativem |
Assonanz |
Häufung eines Vokals (vokalischer Halbreim) |
Der Mond von einem Wolkenhügel |
das „o“ taucht relativ häufig auf (genausogut hätte der „Mond am Himmel stehen“ können, das wäre nur ein „o“, inhaltlich aber identisch) |
Chiasmus |
symmetrische Überkreuzstellung von zwei gleichen (oder ähnlichen) Wörtern oder Satzgliedern |
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden! |
Überkreuzung von |
Ellipse |
unvollständiger Satzbau |
In deinen Küssen welche Wonne! |
es fehlt das Verb |
Enjambement |
Ein Satz geht in Gedichten über das Versende hinaus, d.h. das Versende ist nicht das Satzende. |
Ein aufgetürmter Riese, da, |
um beim Lesen einen Sinn zu erhalten, muss über das Ende des Verses hinaus gelesen werden |
Epipher |
Wiederholung ganzer Wörter (Wortbestandteile) am Vers- oder Strophenende |
„Ich sah auf dich und weinte nicht. Der Schmerz schlug meine Zähne knirschend aufeinander; Ich weinte nicht […]“ (Schiller, „Don Carlos“) |
Wiederholung des „nicht“ am Satzende |
Euphemismus |
Umschreibung eines negativen Sachverhaltes mit beschönigenden Worten |
Und sahst mir nach mit nassem Blick: „Entsorgungspark“ statt „Müllhalde“ |
ein schwacher Euphemismus: nur ein „nasser Blick“ statt „weinend“ Wer macht schon am Wochenende einen Ausflug in den Entsorgungspark? |
Hyperbel |
starke Übertreibung |
Wo Finsternis aus dem Gesträuche |
Lebewesen haben im Allgemeinen nicht hundert Augen auf einmal |
Hypotaxe |
Unterordnung von Nebensätzen („Schachtelsatz“) |
Die, die die, die die Dietriche erfunden haben, verdammen, tun ihnen unrecht. (Goethe) |
Nur weil jemand die Dietriche erfunden hat, muss man ihn nicht verdammen. Ebenfalls in dieser Fassung eine Hypotaxe, da die einzelnen Teilsätze nicht allein stehen können. |
Inversion |
Veränderung der üblichen Wortstellung |
Dich sah ich, und die milde Freude |
übliche Stellung der Satzglieder im Deutschen: |
Ironie |
Das Gegenteil des Gesagten ist tatsächlich gemeint. |
„Lob“ für den Zuspätkommer: „Schön, dass du auch noch kommst.“ |
|
Klang |
Beurteilung des Lesers im Hinblick auf die gefühlsmäßige Wirkung von Wörtern oder Lauten ; positiver oder negativer Klang besonders bei Vokalen |
||
Klimax |
Steigerung vom schwächeren zum stärkeren Ausdruck |
Er kam, sah, siegte. |
|
Lautmalerei |
Nachahmung eines Naturlauts mit Worten |
Kikeriki, summen |
Lautmalerei kann keine genaue Wiedergabe des Geräusches sein, z.B. in anderen Sprachen krähen Hähne anders: cock-a-doodle-doo (engl.), cocorico (franz.), quiquiriquí (span.) |
lyrisches Ich |
Das „Ich“ im Gedicht, das sich als der „Dichter“ ausgibt. Das lyrische Ich und der Verfasser sind zu trennen. |
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! |
|
Metapher |
Bedeutungsübertragung: ein Begriff wird außerhalb seines üblichen Gebrauches verwendet und auf einen fremden Zusammenhang übertragen |
In deinen Küssen welche Wonne! |
der Kuss als Sinnbild für die Lust |
Parallelismus |
gleiche Anordnung der Satzglieder im Satzbau |
In deinen Küssen welche Wonne! |
Ein Parallelismus kann auch bei abweichender Wortwahl vorliegen, wenn der Satzbau parallel ist. |
Parataxe |
Nebeneinanderstellung gleichwertiger Hauptsätze |
Der Abend wiegte schon die Erde, |
zwei vollständige Hauptsätze, die auch allein stehen könnten (getrennt durch einen Punkt) |
Personifikation |
Ein Ding oder ein Begriff erhält Eigenschaften / ist verbunden mit Verben, die sonst nur Menschen zugeordnet sind |
Wo Finsternis aus dem Gesträuche |
Finsternis versteckt sich nicht hinter Büschen (und hat erst recht keine Augen) |
Refrain |
regelmäßige Wiederholung von Sätzen an best. Textstellen |
||
rhetorische Frage |
Scheinfrage, die die Zustimmung des Lesers/ Zuhörers bereits voraussetzt |
„Wollen wir das zulassen?“ |
|
Symbol |
anschauliches Zeichen für etwas Unanschauliches |
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! |
das schlagende Herz, ein Symbol für Liebe und Leidenschaft |
Synästhesie |
Zwei oder mehrere Sinnesgebiete werden gemischt (z.B. Farben schmecken, Töne fühlen) |
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter |
Wetter kann weder duftend (wie Rosen) noch farbig sein |
Vergleich |
Eine Sache wird mit einer anderen gleichgesetzt; beide haben etwas gemeinsam (oft unter Verwendung von „wie“) |
Schon stand […] die Eiche, |
ein Baum groß wie ein Riese – die Größe der Eiche wird hier also verglichen |
Die Beispiele sind so weit als möglich übernommen aus „Willkommen und Abschied“ (Johann Wolfgang von Goethe). Die Ergiebigkeit eines einzigen Gedichts zeigt deutlich, wie stark die Häufung von rhetorischen Mitteln in Gedichten sein kann. Schon in einer einzigen Gedichtzeile können sich mehrere verschiedene Stilmittel finden (siehe oben...).